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Beginn der Laufzeit
Maßnahmen-Typ
Geographische Reichweite international
Voransichtsbild
Good Practice Schleife © GÖG

ZÄMEGOLAUFE

Bei ZÄMEGOLAUFE treffen sich Menschen ab 60 Jahren und gehen gemeinsam an ihrem Wohnort spazieren. ZÄMEGOLAUFE bietet ihnen jede Woche gemeinsame Erlebnisse in der lokalen Natur, bei denen sie ihre Gesundheit stärken und neue Bekanntschaften schließen können. Das Angebot wird im Rahmen eines freiwilligen Engagements von Menschen ab 60 geleitet. Die Schweizerische Gesundheitsstiftung RADIX baut ZÄMEGOLAUFE im Auftrag der Gemeinde auf, akquiriert geeignete Freiwillige, unterstützt diese bei der Erstellung geeigneter Parcours in drei Leistungsstufen, der Kommunikationskanäle und der Durchführung eines Informationsnachmittags für die Bevölkerung. Anschließend unterstützt RADIX die Freiwilligen bei der Umsetzung der wöchentlichen Spazierwanderungen während maximal 2 Jahren. Ziel ist die selbstorganisierte Weiterführung durch die Freiwilligen.

ZÄMEGOLAUFE entstand 2015-2018 im Rahmen eines Forschungsprojekts der Universität Zürich. Im Rahmen des Projekts wurde unter aktiver Beteiligung älterer Menschen ein innovatives, gemeinschafts-basiertes Programm zur Förderung körperlicher Aktivität bei Älteren gemeinsam in der Stadt Wetzikon in der Schweiz entwickelt. Ältere Menschen sollten eigenständig strukturierte Spaziergängergruppen in ihren jeweiligen Stadtteilen organisieren und aufrechterhalten. Das Programm basierte auf dem Prinzip der Selbstorganisation und integrierte dabei den Einsatz analoger und digitaler Kommunikationsmittel zur Koordination und Motivation der Teilnehmenden.

Die initiale Phase der Intervention umfasste die Bereitstellung von standardisierten Spazierwanderwegen und eine unterstützende Begleitung durch das Forschungsteam. Im Verlauf erfolgte eine kontrollierte Übergabe der Verantwortung an ausgewählte und motivierte Teilnehmende, die die Fähigkeit und das Interesse zeigten, die Gruppen langfristig weiterzuführen. Seit 2017 wird ZÄMEGOLAUFE in Wetzikon durch das ehrenamtliche Engagement einiger Seniorinnen und Senioren erfolgreich fortgeführt.

ZÄMEGOLAUFE bedeutet auf Schweizerdeutsch „zusammen gehen“. Es handelt sich um ein Bewegungs- und Begegnungsangebot. Inzwischen sind 28 weitere Standorte entstanden und das Angebot wird unter der Trägerschaft von der schweizerischen Gesundheitsstiftung RADIX umgesetzt.

Erfüllte Good Practice Kriterien

  • Spezialkriterium: Gesundes Altern
  • Qualitätskriterien der Gesundheitsförderung
  • Übertragbarkeit und Weiterentwicklung
  • Wirkannahmen & -modell
  • Evaluation der Wirksamkeit

Problembeschreibung

Bewegungsmangel ist ein wesentlicher Risikofaktor für weltweite Todesfälle und die Entwicklung chronischer Erkrankungen, insbesondere bei älteren Menschen (Frei et al. 2019). Bisherige Programme zur Förderung von körperlicher Aktivität bei älteren Menschen zeigen Ergebnisse von einer Zunahme der körperlichen Aktivität bis hin zu keinen Veränderungen. Ein Grund dafür könnte sein, dass diese Programme sich oft nur auf individuelle Faktoren wie Motivation oder Vorlieben konzentrieren und die komplexeren Einflüsse der zwischenmenschlichen Beziehungen, der sozialen und gebauten Umwelt sowie politischer Rahmenbedingungen vernachlässigen (Frei et al. 2019). ZÄMEGOLAUFE sollen hier ansetzen, indem die Spaziergänge die körperliche Aktivität älterer Menschen beeinflussen und die soziale Interaktion fördern (Frei et al 2019; ZÄMEGOLAUFE 2025).

Zu wenig Bewegung bei älteren Personen hat gravierende Folgen. Wer sich in fortgeschrittenem Alter nicht ausreichend bewegt, verliert übermäßig schnell an Muskelmasse. Ein Kraftdefizit wirkt sich negativ auf den Bewegungsradius aus, was schlussendlich die Interaktion im sozialen Umfeld beeinflusst. Auch der Gleichgewichtssinn nimmt mit zunehmendem Alter ab.

Der Verlust an Muskelmasse sowie des Gleichgewichtssinns führen zu einer Steigerung des Sturzrisikos. Im Alter haben Stürze oft schwerwiegende gesundheitliche Auswirkungen. Eine vorübergehende oder dauerhafte Einschränkung der Lebensqualität und der Selbständigkeit sind die Folgen.
23.5% der Personen ab 65 Jahren stürzen mindestens 1x pro Jahr. Gemäß der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) stürzen in der Schweiz jährlich ca. 88.000 Menschen im Alter von 65 und mehr Jahren. Diese Stürze sind so schwer, dass sie eine ärztliche Behandlung oder Spitalpflege benötigen. Jedes Jahr sterben zudem über 1.600 Seniorinnen und Senioren an den Folgen eines Sturzes.

Mit körperlich-mentalem Training lässt sich das Sturzrisiko reduzieren. Jedoch hat gemäß bfu jede dritte Person (32%) über 60 Jahre seit mindestens drei Jahren nicht mehr trainiert. 12% der von der bfu befragten Personen haben noch bis vor Kurzem trainiert, inzwischen aber damit aufgehört.

Die Förderung von Bewegung und sozialer Teilhabe im Alter tragen zu einer höheren Selbständigkeit bei und ermöglicht älteren Menschen länger zu Hause leben zu können. Denn dank physischer Aktivität im Alter können körperliche und psychische Erkrankungen vermieden oder hinausgezögert werden. Gesundheitsförderung Schweiz fasst die positive Wirkung wie folgt zusammen: "Regelmäßige Bewegung senkt das Sturzrisiko, reduziert das Auftreten und das Ausmaß von Gebrechlichkeit, verhindert oder verzögert die Pflege- und Hilfsbedürftigkeit und fördert die selbstständige Lebensführung. Maßnahmen zur Bewegungsförderung und zum Krafterhalt können Einschränkungen und Hilfsbedürftigkeit im Alltag um bis zu 50% reduzieren. Regelmäßige Bewegung im Alter reduziert das Risiko, an Demenz zu erkranken, um über 10% beziehungsweise verzögert das Auftreten von Demenzerkrankungen um zwei bis drei Jahre."

Bild
Ältere Menschen gehen gemeinsam spazieren
© ZÄMEGOLAUFE, c/o RADIX Schweizerische Gesundheitsstiftung

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